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Der Sauerteig

Liebe Lesende,

beige ist sie. Mehlig. Cremig. Die zähflüssige Masse. Im großen, gläsernen Joghurtglas. Mit dem vanillegelben Deckel darauf. 

Der Sauerteig. Er ist für mich zum Sinnbild geworden. Für die Zeit. Die Langsamkeit. Ein Kontrapunkt, Gegensatz, Gegenpol zur Hektik des Alltags, des Lebens, der aktuellen Zeit, der Gegenwart.

Denn der Sauerteig. Er lässt sich nicht hetzen, nicht eilen. Nimmt sich seine Zeit. Braucht seine Zeit. Einen Tag in der Woche, an dem er sich füttern lässt. Mit Mehl und Wasser. 

Drei, vier, fünf Stunden. Bis er aufgeht, sich verdoppelt hat. An einem warmen, kuscheligen Ort. Auf der Heizung, im Ofen. Eine Nacht im Kühlschrank. In der er pausieren, ruhen kann. 

Einen zweiten Tag, an dem er angerührt wird, zu einem Vorteig. Stunden, bis er aufgeht zu einem Hauptteig. Der geknetet werden muss. Drei Stunden reift, in denen er gedehnt, gefaltet werden möchte. Wieder und wieder. Eine weitere Nacht im Kühlschrank, in der er entspannt.  

Beeilen, hudeln. Unaufmerksam, unkonzentriert sein. All das schadet dem Sauerteig. Zerstört ihn, macht ihn kaputt. Er wird zäh, ungeschmeidig. Trocken, fest, hart. Säuerlich, unbekömmlich.

Drei Tage sind es. Bis aus ihm ein Brot entsteht. Bis sich der Sauerteig in ein Brot verwandelt. Drei Tage Zeit, Energie. Muße, Geduld. Fürsorge, Zuwendung. 

Der Sauerteig. Er erinnert mich daran, dass alles Zeit braucht. Genügend, ausreichend Zeit. Seine Zeit. Um zu wachsen, zu reifen, zu entstehen. Und, dass der Mensch nichts beschleunigen kann. 

Ihre Ronja Goj
Online-Redaktion Pfarrbriefservice.de